Stellt Euch vor, Ihr fahrt schon seit einer Weile mit einer Rickshaw mit Euren 2 genervten Kindern und dem Kindsvater bei 34 Grad im Schatten in Indien von Hotel zu Hotel. Jedesmal wird euch gesagt „Sorry, no vacancies!“ oder der Ekelfaktor bei den noch freien Zimmern ist einfach zu hoch, um es zu ertragen. Und plötzlich steht an der Rezeption eines traumhaften Hotels eine wunderhübsche strahlende Französin vor Euch, die mit einem reizenden französischen Akzent sagt: „Wir haben leider auch keine Zimmer frei, aber ein Freund von mir hat gerade vor einer Woche ein Hotel eröffnet und es ist sehr schön. Er heißt Rob, ist Deutscher und ist total nett. Soll ich ihn mal anrufen und fragen, ob er was frei hat?“ Wir 4 aus einem Munde: „JA BITTE!“

So landeten wir bei „Peace Rob“ alias Robert Lenz in der Chameleon Lodge. Das Hotel befindet sich am Kuzhupilly Beach auf Vypeen Island, Cochin im Staate Kerala in Indien.

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Das Haus in dem sich das Chameleon befindet, hat Rob neu gebaut. Wie er uns erzählte, war das ein ziemlicher Kampf mit den Behörden. Alles zog sich viel länger hin als geplant. Um sich die Wartezeit während der Bauphase zu vertreiben, hat er ein benachbartes Gebäude gemietet und dort das Budgetfreundliche Sandcastle Hostel eröffnet. Dort kann man in Hängematten unter freiem Himmel auf der Dachterrasse schlafen.

Schon am Eingang der Chameleon Lodge erahnt man das Farbkonzept des Hauses. Eine Palette wie der Regenbogen.

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Was gleich auffällt ist die angenehme Grösse der Zimmer. Das Haus ist sehr luftig und nur mit dem notwendigsten möbliert. Aber alles was man braucht ist da. Es gibt insgesamt 6 Zimmer. 4 Doppelzimmer im Erdgeschoß des Haupthauses und 2 Einzelzimmer, die sich in einem separaten Häuschen im Garten befinden. Jedes Zimmer hat einen anderen Look. Was alle gemein haben ist ein blauer Betonboden, schneeweiße Wände, weiße Duschbäder und graue Türen. Diese neutrale Palette mischt Rob mit knalligen Farben auf. Alle Möbel sind von lokalen Handwerkern selbstgebaut.

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Im ersten Stock befindet sich die Küche, ein Bad und ein Raum, der bei schlechtem Wetter als Esszimmer genutzt werden kann. Außerdem eine grosse Terrasse mit vielen Sitz- und Liegemöglichkeiten. Auf dieser Terrasse werden die Mahlzeiten serviert. Frühstück ist inbegriffen und auf Wunsch kann man sich abends von Rob oder seinem Koch bekochen lassen. Das ist eine nette Gelegenheit auch die anderen Gäste kennenzulernen. Gelegentlich schauen auch ein paar Gäste vom Sandcastle zum Abendessen vorbei. Das Essen ist köstlich und marktfrisch.

rob7Vom ersten Stock aus gelangt man auf die Dachterrasse auf der 2 Daybeds und eine Sitzecke zum Entspannen einladen. Alle Bereiche sind mit Sonnensegeln versehen, die vor der südindischen Sonne schützen.

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In der Chameleon Lodge geht immer eine leichte Brise, weil sie so nah am Strand liegt. Man schaut von der Dachterrasse direkt in die tosenden Wellen des Arabischen Meeres.

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Direkt hinter dem Haus beginnen schon die Backwaters für die Kerala so bekannt ist – binnenseeartige Lagunen in denen Shrimps leben. Die Landschaft ist malerisch. Wohin man schaut Wasser, Kokosnusspalmen, rote Erde und sattes Grün.

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Eigentlich wollten wir nur 2 Nächte bleiben, haben dann aber auf 4 verlängert und es war ungelogen der beste Abschluss für unsere 3-wöchige Indienreise.

Hier ein Interview mit Rob:

  1.  Woher kam Deine Idee, Peace Rob Hotels zu starten? Was ist Dein Hintergrund?

 Mein Hintergrund ist eigentlich sehr „seriös“. Ich habe BWL in Kanada studiert.

 Nach einem schweren Start ins Jahr 2009 – mein Patenonkel und großes Vorbild starb, ich verlor meinen Job als Mediaberater und trennte mich von meiner Freundin – musste ich erstmal raus aus Berlin.

Ich bin dann den Jakobsweg gelaufen, von der französischen Grenze bis Santiago. Auf dem Weg erinnerte ich mich daran, dass ich schon immer ein eigenes Hotel haben wollte. Mir wurde klar, dass es der perfekte Job für mich ist. Ich liebe das Reisen und ich liebe Menschen. Ein Hotel zu haben, ist wie Reisen ohne seinen Standort zu verlassen.

Nach langer Recherche in Form einer Weltreise für 1 1/2 Jahre durch Südamerika, Neuseeland, Australien, Südostasien,  China und Indien und unzähligen Hostels, war ich dann bereit für mein eigenes Hostel.

  1. Warum gerade ein Hotel in Indien/ Kerala?

Hier gibt es zwei einfache Antworten:
Mein Vater kommt aus Kerala. Ich selber bin in Munnar, Kerala geboren und habe 3 hier Jahre gelebt. Ich wollte immer irgendwann mal zurück und meine anderen Wurzeln  kennenlernen.
Indien: niedriges Startkapital, wachsender Markt und legendär schwierig. Ich mag die Herausforderung, also Indien. Ich habe immer gedacht, egal was passiert, diese Erfahrung in Indien zu machen kann nur gut für mich sein. Keiner kann mir diese Erfahrung nehmen. Auch wenn es manchmal ganz schön hart ist.

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  1. Was war die größte Herausforderung?

Ich glaube das Schwierigste war am Anfang, das deutsche Denken abzulegen. Alles dauert in Indien viel länger. Ich konnte nicht gleich loslegen mit dem Bau des Hotels nachdem ich das Grundstück gekauft hatte. Die Baugenehmigung zu bekommen, war ein langwieriger, schwieriger Prozess.

In Indien laufen manche Sachen einfach anders bzw. die Menschen hier haben eine ganz andere Weltsicht und ein anderes Wissen. Manche Sachen, die für mich in Deutschland logisch sind, sind es hier oftmals nicht, z.B. meinem Koch ein Omelett ohne grüne Chilli beizubringen, war ein Kampf. Es macht für einen Inder keinen Sinn, ein Omelett ohne grüne Chilli zu machen, für mich ist es aber logisch.

Was ich gelernt habe ist, dass ich die gegenwärtigen Probleme entweder überall auf der Welt habe oder es einen Wissen-/ Kulturunterschied gibt, den man erklären muss.

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  1. Woher kam die Inspiration für die Einrichtung?

West meets East. Ich liebe Kontraste. Als Halbinder/ Halbdeutscher bin ich ein laufender Kontrast. Diesen Kontrast zwischen der westlichen und der östlichen Welt in Balance zu bringen, ist die Kunst und war meine Hauptinspiration für das Design des Hauses. Also etwas Modernes, Westliches mit dem richtigen Touch indisch.

Vieles kam einfach zustande, indem ich durch Mattancherry gegangen bin, mir das Angebot angesehen habe und dann alles kombiniert habe.

Ich liebe es auch, ein Objekt anzugucken und zu überlegen, wofür man es noch nutzen könnte außer wofür es gemacht ist. So sind viele von den Palettenideen gekommen.
Think outside the box!

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  1. Was ist Dir am wichtigsten für Deine Gäste?

 Ganz oben steht die Zufriedenheit und ich glaube ganz stark, dass es hier hauptsächlich auf den Service ankommt.  In meiner Erfahrung als Reisender, ist mir vor allem eins aufgefallen: Ein Hotel ist nur ein Gebäude, manchmal schön, manchmal nicht so schön. Was den entscheidenden Unterschied macht, sind die Menschen die das Gebäude betreiben. Guter Service lässt die Gäste über Mängel im Haus hinwegsehen, ein gutes Gebäude kann aber kein guten Service ersetzen. Man muss bereit sein den Extraschritt zu gehen, um alles was möglich ist möglich zu machen.

Bei allem was ich tue, stelle ich mir immer eine Frage, fördert es die Zufriedenheit meiner Gäste? Und wenn es das tut und vom Investment möglich ist, mache ich es. Wobei wenn man wirklich zuhört, erkennt man bald, dass der beste Service mich nichts kostet – außer Zeit.

 Und ganz zum Schluss, steht bei mir noch das Land selber. Als Hotelbesitzer in Indien repräsentiere ich Indien für meine Gäste. Ich liebe dies Land und ich möchte, dass meine Gäste es auch tun. Und dafür bin ich bereit sehr viel zu tun.

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  1. Hast Du einen Leitsatz/ ein Motto?

„It is not where you are, it is not with whom you are, it is who you are!“ – Peace Rob

 Das ist ein Motto, das ich durch mein Leben gelernt habe. Wie gesagt: Ich bin in Indien geboren, von 3 bis 16 in Deutschland aufgewachsen, dann 6 Jahre in Kanada, 2 Jahre Berlin, dann 2 Jahre Weltreise und nun 3 Jahre Indien. Mir ist klar geworden, dass das Leben immer gleich ist, egal wo man ist und mit wem man ist. Es geht hoch und runter, und das einzige was wir tun können, ist wir selbst zu sein. Ich glaube ganz stark daran, dass Glück aus dem Inneren kommt und jeder Mensch die Chance und die Wahl hat, glücklich zu sein.

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Und? Wer hat jetzt Lust bekommen nach Kerala zu Rob zu reisen?

Alles Liebe,
Imke




Hoteltipp: Chameleon Lodge in Cochin, Kerala
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