Minihaus found.

Ich habe einen Palast gefunden. Einen Plattenpalast. Als ich am vergangenen Wochenende auf dem Rückweg vom Mauerpark durch die Wolliner Strasse lief, fiel mir ein Schild mit einer stilisierten Zeichnung auf, das mit einem Pfeil in einen offenen Hauseingang wies.

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Als ich dem Pfeil folgte, kam ich in einen grünen Hinterhof, in dem ein kleines Betonhaus mit goldenen Fenstern stand, welches man besichtigen konnte.

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Leider war es schon so duster, dass ich keine schönen Innenaufnahmen machen konnte. Ich habe aber auf der Webseite des Projektes ein paar schöne Bilder gefunden, die ich mit Euch teilen möchte.

Dieses außergewöhnliche Projekt war Teil einer Studie des Forschungslabors des Instituts für Erhaltung und Modernisierung von Bauwerken an der TU Berlin. Dies hatte die zentrale Frage der Wiederverwertung von Großflächenplatten aus der Wohnungsbauserie 70 (WBS 70) zum Thema. Die Plattenbauten WBS70 waren in den 70er und 80er Jahren in der DDR in grossem Stil gebaut worden.
Nach Meinung von Architekt Carsten Wiewiorra aus Berlin werden beim Abriss solcher Plattenbausiedlungen wertvolle Baustoffe verschwendet. Gerade die Großtafelbauweise aus Betonfertigteilen liefert nach seiner Meinung recycelbare Bauelemente, die sich ohne großen Aufwand sofort wieder einsetzen lassen. Um dies zu beweisen, baute Wiewiorra schon vor einer Dekade diesen Prototypen.

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Als erstes erarbeiteten der Architekt und seine Partner optimale Grundrisse für ein Minihaus, das die Grundbedürfnisse Wohnen, Essen und Schlafen bedient, dessen Struktur jedoch modular erweiterbar und als Baukastensystem bis zu drei Geschossen konzipiert ist. Der Raum basiert auf einem L- oder U-förmigen Grundriss, der sich diagonal in die Höhe entwickelt. Große Öffnungen sorgen für einen hohen Lichteinfall.

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Ein Palast aus recycelten Betonplatten und Glasscheiben

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Mit dem Ziel demontagefähige und recyclingfähige Gebäudekonstruktionen zu testen, wurden aus Rückbauvorhaben in Berlin Marzahn Bauelemente zur Wiederverwertung sorgfältig abgetragen.
Der Plattenpalast besteht aus 13 recycelten Platten. Und – und das finde ich besonders toll – goldgelben Originalfensterscheiben des abgerissenen Palastes der Republik. Daher hat der Plattenpalast auch seinen Namen.
Alle wiederverwendeten Baustoffe wurden, ebenso wie die neuen Materialien, auf Umweltverträglichkeit, Energiebilanz und Wiederverwertbarkeit geprüft. Für den Innenausbau wurden auch ausschliesslich recycelbare Baustoffe und Fertigteile verwendet.

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Nachdem das Haus zunächst in der Peter-Behrens-Halle aufgebaut worden war, fand es 2009 seinen endgültigen Standort in Berlin Mitte unweit des Büros Wiewiorras im Hinterhof der Wolliner Straße, einem geschichtsträchtigen Ort in der Nähe des ehemaligen Grenzstreifens an der Bernauer Straße in Berlin. Der Aufbau dauerte nur 2 Tage. Die Idee der Architekten wurde 2009 mit dem Preis der Berliner Nachwuchsarchitekten geehrt

Auf den Bildern ist das Minihaus als Wohnhaus eingerichtet. Derzeit wird es jedoch regelmässig als Ausstellungsort für wechselnde Ausstellungen genutzt.

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Nicht nur die Nachhaltigkeit sondern auch die Ästhetik des Plattenpalastes finde ich sehr überzeugend. Wie gefällt es Euch?

Architekten: Wiewiorra Hopp Architekten, Berlin
Projektbeteiligte: Kleinschmidt Bau, Berlin (Ausbau); Redstone, Bremen (Dämmung); 8punkt8, Berlin (Fenster und Türen); Martin Böker, Hintersee (Dach); Morgenstern Bauausführung, Spornitz (Fundamente); BMK , Brandenburg/Havel (Montage); Danfoss, Offenbach (Heizung)

Bauherr: Carsten Wiewiorra, Berlin
Standort: Wolliner Straße 50, Berlin
Fertigstellung: 2009
Bildnachweis
Fotos: Christian Rose, Berlin; Zeichnungen: Carsten Wiewiorra, Berlin

 

Minihaus: Plattenpalast in Berlin

Ein Gedanke zu „Minihaus: Plattenpalast in Berlin

  • 11. Juli 2018 um 19:06
    Permalink

    Grossartig. Muss ich mir unbedingt mal anschauen gehen!

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